40 Jahren Gebrauchszeit!!

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Nach der Rückkehr ins Heim suche ich nochmals die Schule auf. Ich will Schüler sowie Menschen, die mich berührt haben und auch die Baustelle ein letztes Mal besuchen.

Nun bin ich am Ende meiner doch so kurzen Reise angekommen und mit dem Resultat sehr zufrieden. Der Schulhaus-Rohbau konnte mit den 4000.- CHF fertiggestellt werden. Doch nun sehe ich, dass noch einiges fehlt, um es komplett fertig zu stellen.

Es war schwierig, die Berechnungen vor 2 Jahren aufzustellen und alles einzubeziehen, da man nicht wirklich Offerten zur Verfügung hatte.

Zur vollständigen Fertigstellung müssen noch 4 Fenster, 1 Türe, 2 Tafeln, die Bodenbeschichtung und die Pulte gebaut werden. Natürlich wird die Schule das Zimmer sofort benutzen, auch ohne diese Gegenstände.

Nach dieser Erfahrung und der der letzten Jahren haben Raju und ich entschieden, den Betrag von 4’000.- auf 10’000.- CHF zu steigern.

Denn nach jetzigem Stand des Wissens kann ich sagen, dass der Bau und die Einrichtung eines kompletten Schulzimmers 6’000 CHF kostet. Wenn man aber gleich zwei Schulzimmer zur selben Zeit baut, könnte man dies vielleicht mit 10’000 CHF bewerkstelligen.

Nun will ich alle, die diese Blogs gelesen haben, und die, die darin eine sinnvolle Tätigkeit sehen, höflichst bitten, dieses Projekt weiterhin zu unterstützen.

 

In der Buchhaltung wird der Wert von einem Objekt jedes Jahr abgeschrieben, um den realen Wert zu erfahren – man rechnet bei unserem Schulhaus mit 40 Jahren Gebrauchszeit. Die reelle Lebensdauer ist aber sicher länger.

 

Wollen wir also diesen Weg zusammen weiter gehen!

 

Besten Dank.

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Euer

 

Lukas

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Musafir

Ich wollte eigentlich keinen privaten Blogeintrag machen. Andererseits will ich dies nicht unerwähnt lassen.

Ich bin an die Ostafrikanische Küste, den Indischen Ozean, nach Kilifi gereist. Das kleine relaxte Städtchen besitzt eine traumhafte Bucht. Dort befindet sich ein schönes Backpackers Hostel.

Schnell husche ich im Schatten der Bäume und Palmen an den Strand.

Dort begrüssen mich einheimische Rastas und ein schöner Ausblick auf das Gewässer mit einigen Segelboten, Fischerschiffen und Bötchen.

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Eines fällt sofort auf. Das grösste Bot der Bucht erhebt sich majestätisch aus dem Wasser. Die Planken, die vom Bug bis zum Heck verwendet wurden, sind von der Sonne schon dunkelbraun, ja fast schon zu einer schwarzen Pracht verbrannt. Ich sehe, der 2-Master ist noch nicht ganz fertig gestellt und Leute arbeiten daran. Ich schwimme rüber. Dort rufe ich um einen Besuch auf dem Schiff. Dies wird mir sofort gewährt. Ich lehre die offene Crew um Paolo Rudo schnell kennen. Die Idee wird schon seit langem diskutiert. Verbindlich entstand sie vor 7 Jahren auf Reisen mit einem Freund. Danach wurde auch bald die Reise Richtung Kenia in Angriff genommen. Vor 4 Jahren haben sie dann angefangen zu bauen. Das Boot heisst ’’Musafir’’, was im Arabischen, Hindi wie auch im Swahili ’’Reisender’’ bedeutet. Und ein solcher ist Paolo. Ebenso seine Gefährten. Die Gemeinschaft, die ich kennen lerne, variiert über das ganze Jahr. Momentan besteht sie aus 12 unterschiedlichen Menschen von überall. So findet man Nationen wie Belgien, Italien , Indien, Kenia, Kolumbien, Katalonien, Österreich und Russland. Alle wohnen sie im alten Bootshaus am Hafen. Ich werde herzlich aufgenommen und gleich zum Abendessen eingeladen. Ich entscheide mich, einen Tage der Musafir zu widmen und der Wohngemeinschaft eine helfende Hand zu geben.

Beim Arbeiten lerne ich einzelne der Crew-Mitglieder besser kennen und wir reden über dies und das. Ich freue mich sehr über die Gesellschaft und die folgenden Tage, die wir zusammen erleben. Wenn das Schiff fertig gestellt ist, wird die Musafir auf dem Indischen Ozean Küsten anfahren und in den Gemeinden, in denen sie landet, werden die Mitglieder ihre Hilfe anbieten und positive Projekte umsetzten. Doch um definitiv Segel zu setzen fehlen der Musafir noch einige Tausend CHF. Im Hintergrund läuft eine Crowdfounding-Kampagne. Sie sind auf Hilfe angewiesen.

Die Tage vergehen schnell. Ich verlasse den Ort und die Menschen widerwillig.

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Kann gut sein, dass ich mich vielleicht eines Tages unter dem Segel der Musafir auf der Suche nach neuen Abenteuern finde.

 

http://musafir.org/

 

https://startsomegood.com/musafir

 

 

Next Step Programm

Heute gehe ich mit Gerard Ngundu mit. Er leitet das Next Step Programm.

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Hier geht es für die Kinder bekanntlich um die Zeit nach den in Kenia üblichen 8 Jahren Primar- und Sekundarschule, vergleichbar mit unseren Lehrjahren. Es gibt 5 Richtungen, für welche man sich entscheiden kann: Beauty, Service, Koch, Schreiner- Holzarbeit und Metallbau-Arbeit.

In Kenia ist es momentan so, wie es unsere Eltern vielleicht noch erlebt haben. Für eine Lehre muss man bezahlen. Hier haben natürlich Halbweisen oder Weisen schlechte Voraussetzungen.

Als erstes besuchen wir Kolping, eine Private Berufsschule ,wo Fachkräfte mit praktischer Erfahrungen die Jugendlichen unterrichten. Wir werden von zwei Mädchen, die vom WWN unterstütz werden, durch das Areal geführt. Hair & Beauty-Fachleute, Mechaniker, Schweisser, Schreiner, Servicefachkräfte und Informatiker werden hier ausgebildet, Informatiker am meisten.

 

Weiter geht es nach Thika. Dort besuchen wir ein ehemaliges Kind aus Kusitawi. Sie studiert an der Universität Ernährungswissenschaften und macht gerade ein Praktikum im Spital. Sie lernt hier bei den verschiedenen Stationen und Krankheiten die richtige Ernährungszubereitungen mit speziellen Zutaten und Methoden, die sich in der Praxis bewährt haben.

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Nun haben wir noch zwei Termine. Doch dann fängt es so stark zu regnen an, dass wir unter einen Fruchtstand flüchten müssen. Hier verharren wir fast eine Stunde und müssen so einen Termin absagen.

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Eine 21-jährige Frau ist schon Mutter. Doch sie hat Unterstützung gefunden und macht jetzt die Ausbildung zur Sekretärin. Dieses Projekt hat eine lange Warteliste und ist stark von Spenden abhängig. Als Sponsor kann man mit 20-50 CHF pro Monat (je nach Ausbildung) einem Kind dies ermöglichen.

Wir gehen nach Hause und ich esse im 9 ten vom 10 Family Houses. Das Warten im Regen und das sich ständig wieder in eine Ecke Drängen hat mir viel Energie geraubt und ich gehe schnell ins Bett.

Nun werde ich mir eine 5-tägige Auszeit gönnen. Ich werde an die Küste fahren, um diesen Aufenthalt hier mit ein paar Ferientagen ein wenig ausklingen lassen. Ich überlasse den Arbeitern das Weitere und werde in einigen Tagen wieder vorbeischauen. Dann muss ich mich wohl oder übel auch schon bald verabschieden.

http://watotowenyenguvu.org/what-we-do/next-step

 

 

Sozialarbeit in WWN Kenia

An diesem Tag kann ich mit Charles Kimanzi mit auf die Felder. Charles ist schon seit Jahren bei WWN und hat viel Erfahrung.

Heute ist ein wichtiger Tag, wir werden einige Kinder besuchen und checken, ob die Personen, die sich um sie kümmern (meistens Grosseltern, Onkel, Tante und vereinzelt eine verwitwete Mutter oder ein Vater ) alles für die Schule vorbereitet haben. Denn am nächsten Tag fängt die Schule an. Hier geht es darum, ob die Verantwortlichen Selbstinitiative ergriffen haben, oder ob sie auf die Hilfe und Unterstützung warten. Sie müssen für die Schuluniform, Bücher und die Schulgebühren selbst aufkommen. Doch viele sind auf einen Beitrag von WWN angewiesen. So gehen wir mit dem Motorrad in ländliche Richtung.

 

Der Erste Junge, den wir besuchen, wohnt am Rande der Buffalo Hügel, wo der Jungel zu wuchern beginnt. Hier haben der Onkel und die Grossmutter alles bereit. Dem Jungen geht es sehr gut und er freut sich auf den Schulanfang. Sie wären über eine kleine finanzielle Unterstützung an die Schulgebühren dankbar. Einen Besucher nicht anzumelden ist in der afrikanischer Kultur eigentlich frech. Denn so kann man nichts für den Gast vorbereiten. Gastfreundlichkeit wird in Afrika gross geschrieben, wie ich erfahre. Die Grossmutter geht in ihre Hütte und kommt mit 2 Mangos zurück. Wir gehen weiter durch das Dorf und besuchen noch zwei weitere Familien, Mango inklusive. Danach geht es wieder auf das Motorrad und ein Dorf weiter.

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Hier geraten wir in eine längere Diskussion mit der Grossmutter, die sich um 3 Kinder kümmert. Sie klagt über die noch immer lebende Mutter, die in Nairobi ihr leben geniesst und seit dem Tod ihres Mannes die Kinder einfach der Grossmutter überlassen hat, keine finanzielle Unterstützung gibt und sie auch nicht besucht.

Wir essen Mittag in einer Dorfkneipe und gehen weiter. Wir besuchen Grosseltern, die sich um 3 Geschwister kümmern. Hier werden wir herzlich empfangen. Der Grossvater zeigt stolz sein Feld und vor allem seinen Mangobaum. Ein Plastiksack wird gleich gefüllt und mitgegeben. Eigentlich haben wir schon genug, doch ein Geschenk nicht anzunehmen gilt schon fast als Beleidigung.

Drei weitere Familien stehen auf dem Plan. Charles erklärt mir, dass dies so nur einmal in Jahr der Fall sei. Normalerweise besucht er weniger Kinder an einem Tag und kann sich so mehr Zeit nehmen um sich dem Kind, dem sozialen Umfeld und seinen Bedürfnissen zu widmen.

 

Wir kehren zurück und fahren an kilometerlangen Ananas-Plantagen vorbei. Ich muss stoppen, um mir das näher anzusehen. Möchte diese Frucht ja noch an ihrem originalen Gewächsort sehen. Die Felder bedecken grosse Teile von Thika’s Umgebung. Kenia ist der 5-grösste Ananas-Exporteur der Welt. Ich muss probieren. Sie sind köstlich.

 

Zurück in Kusitavi esse ich im 8ten von 10 Family homes. Ich geniesse die Gesellschaft und helfe bei den Hausaufgaben.

http://watotowenyenguvu.org/what-we-do/sponsorship#

Klare Richtung Afrika

Es ist Freitag und mein letzter Tag auf der Baustelle. Es geht wieder ans Mauern hochziehen. Danach gehe ich einen Tag auf die Felder, um die Sozialarbeit von WWN näher kennen zu lernen. Ebenso werde ich einen Tag dem Jugendförderungsprogram Next Step widmen. Doch dies ist nur im Kopf; in den Händen sind Steine und darauf wird Mörtel gepflastert.

 

Der Morgen vergeht nicht, ohne dass eine Lehrerin Mangos, Bananen und Wassermelonen vorbeibringt. Zum Mittag stehen wieder Ugali und Bohnen auf dem Menüplan; der ist in Stein gemeisselt. Es ist nicht schlecht, versteht mich nicht falsch. Es ist nur ein wenig eintönig. Doch das muss man diesem Ugali lassen, es ist natürlich, vital und es füllt den Magen über Stunden ohne jegliches Hungergefühl.

 

Am Nachmittag fangen Gabriel und ich an einen Graben für die Veranda aus dem festen Boden zu schaufeln. Die Mauern sind nun so hoch, dass die Fenster oben geschlossen werden können. Dafür werden Holzbalken ein paar Kilometer entfernt hergeholt. Wir müssen alle anpacken, damit diese an ihren Bestimmungsort gelangen. Die Sonne sängt über der von Menschen kreierten Savanne. Einer der Arbeiter witzelt: mit den Balken auf den Schultern erinnert es Ihn an Jesus, der sein Kreuz ebenso getragen hat. Das folgende Gelächter erzwingt einen Stopp. Angekommen beenden wir schon bald die Arbeit. Danach wird das Material geputzt und im oberen Zimmer verstaut.

 

Zur Feier des Tages lade ich die Arbeiter zu einem Drink in einem lokalen Pup ein. Dort begrüssen mich bereits einige schwankende Personen herzlich. Sie wollen mit mir eins trinken. Sie haben die Hoffnung, ich werde dann schon bezahlen. Dies spuckt wohl in ihrem beduselten Kopf. Doch meine Kumpels wehren jeden Torkelnden barsch zur Seite. Wir bekommen einen separaten Raum für uns. Drei 250ml-Vodka/Soda-Flaschen stehen schnell auf dem Tisch. Wir reden über die Situationen in Kenia, Ostafrika, der Schweiz, Europa und der Welt. Diese Männer sind wohl das Rückgrad von Kenias Gesellschaft. Jeder von Ihnen weiss, dass das Land von korrupten Politikern und Polizisten dominiert wird. Doch der kleine Mann kann nicht viel dagegen unternehmen. Alle lechzen nach einem starken Führer und verfluchen die Reichen.

 

Ich erzähle ihnen meine Sicht der Dinge. Ich sehe einen Staat mit Potential, ein blühendes Land voller Vielfalt und Schönheit, wo die Menschen eine natürliche Gelassenheit und Nächstenliebe haben. Obwohl ich in kleinen Teilen von Marokko, Ägypten und nun Kenia Erfahrungen und Eindrücke sammeln durfte, beschränkt sich diese auf einen Erdteil, einen Kontinent, der von Ressourcen und Reichtum nur so strotzt. Aber man findet hier auch Armut und Leid in unermesslichem Ausmass. Die Kluft zwischen arm und reich ist riesig. Die Zukunft scheint zwar noch verschwommen doch mit klarer Richtung, Afrika. Nur die Afrikaner selber können den Wandel vollbringen, zuerst jedes Land für sich, und dann vielleicht als Kontinent. Und so können auch nur Kenianer Kenia auf Vordermann bringen. Ich habe ein modernes Kenia erlebt, ein innovatives, nachhaltiges Kenia!

 

Nicken und Stille gefolgt von einem langsam wohligen Gefühl, vom Feuerwasser frei gewählt. Wir widmen uns munteren Themen und erfreuen uns unserer Gesellschaft. Nach Beenden der Flasche begebe ich mich auf den Heimweg, begleitet von einem der Maurer, der nicht trinkt und raucht. Ich frage etwas dümmlich: ,, Wieso Big John?“. ,,Wenn man Kinder hat und sie richtig erziehen will kann man sich so was nicht leisten, als Vorbild wie auch finanziell nicht.’’

 

An der Strasse, wo wir uns trennen, biege ich Richtung Heim ab. Dort esse ich gut gelaunt. Beim 7. Family Home geniesse ich einen wunderbaren wie auch lustigen Abend mit den Kindern.

Das Micro L0an Programm

Neben dem Waisenhaus hat Watoto Wenye Nguvu (Kinder der Stärke) viele andere Programme. Heute gehe ich das Micro Lane Programm näher anschauen.

Das vom bengalischen Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus erfundene Programm unterstützt nicht nur die Familie sondern auch die Gemeinde und die lokale Wirtschaft.

Hier in Kenia geht es darum, die Eltern und vor allem die Frauen der umliegenden Gemeinde zu motivieren, mit ihrem Geschäft oder ihrer Idee für mehr Einkommen für die Familie zu sorgen. Man kann bei WWN einen Kleinkredit aufnehmen um z.B. eine Maschine für die Landwirtschaft oder eine bessere Ladeneinrichtung für das Geschäft anzuschaffen. Es soll im wöchentlichen Treffen der jeweilig auf die Region aufgeteilten Gruppen nicht nur über den Fortschritt der Beteiligten gesprochen sondern auch Geschäftsbeziehungen geknüpft werden. So könnte z.B. ein Bauer oder ein Verkäufer sich als Lieferant und Vertreiber geschäftlich einigen und so Ihr Kundenkreis erweitern.

Das Waisenhaus fungiert hier als Geldgeber. Es ist aber auch aussenstehender Beobachter oder Ratgeber.

Ein Sozialarbeiter beschäftigt sich mit der Gemeinschaft, die von 5 auf 62 Personen angewachsen ist. Zusätzlich können die Mitglieder erspartes oder erwirtschaftetes Geld bei WWN deponieren und bei Bedarf wieder beantragen.

Das Programm ist selbsttragend und benötigt keine Spenden.

Der Sozialarbeiter Rigamu Kim erzählt mir von mittellosen Vätern, die so genügend Geld haben, um die Familie durchzubringen oder von alleinerziehenden Frauen, die dank diesem Anstoss Strom in Ihr renoviertes Häuschen bringen konnten.

http://watotowenyenguvu.org/what-we-do/micro-loan-program

Hier und da einen frechen Spruch

Nach dem Weekend kommt bekanntlich der Montag. So wird das vorbereitete Fundament mit einer Plasikplane überspannt. Danach mixen wir Ballast, Sand und Zement und schaufeln es an die richtige Stelle. Diese Arbeit nimmt den ganzen Tag in Anspruch. Anschliessend wird alles so gut wie möglich planiert und festgestampft.

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Am Abend esse ich wieder mal bei Elisabeth. Ich habe das Uno-Spiel schon seit dem ersten Abend eingeführt. Mittlerweilen habe ich hartnäckige und hinterlistige Gegner, die mir gegenübertreten. Ich verabschiede mich schon bald und gehe zu Bett.

 

Am Dienstag fangen wir mit den Mauern des Schulhauses an. Die erste Reihe ist wichtig. Da müssen die stärksten und breitesten Steine gelegt werden. Von da an wird alles schnell zur Routine. Auf die Steine wird Mörtel gelegt. Darauf werden Steine gesetzt. Zum Abschluss werden die Spalten zwischen den Steinen gefüllt und eine neue Reihe beginnt. Steine werden zugebracht und Mörtel gemischt. So sieht der Tagesrhythmus für einige Zeit, womöglich für die ganze Woche aus. Wir witzeln viel auf der Baustelle herum und reden über Bier, Filme und das tägliche Leben.

Am Abend gehe ich ins 5te von 10 Family Homes. Ich bekomme Reis mit Spinat sowie eine Bohnen-Kartoffelsauce dazu. Nach dem Essen mache ich mich schon bald in meine 4 Wände auf und kuschle mich in meinem Bett ein. Gute Nacht.

 

Am Mittwoch geht es wieder auf die Baustelle. Wohl wieder dasselbe Programm wie gestern. Der Tag wird erneut mit einem Sack voller Mangos versüsst. Der Vater von einem der Arbeiter überreicht mir als Dank die selbst gezüchteten Ursprungs- und nicht hybrisierten Mangos; dies für die Spende an seine Gemeinde. Er ist voller Stolz über den vollmundigen, süssen Geschmack der Früchte. Mittags gibt es wider Ugali und Bohnen. Ich ächze unter der Sonne und lasse hier und da einen frechen Spruch fallen. Dies provoziert sofort hallendes Gelächter und einen erneuten Spruch. Am Ende fangen wir mit der 7ten Reihe des Fundamentes an. Danach schliessen wir friedlich die Materialien und Arbeitsutensilien in ein Klassenzimmer ein und machen uns auf den Heimweg.

Ich nehme das Abendessen im 6ten Family Home ein. Es gibt „ausnahmsweise“ mal das kenianische Leibgericht Ugali!? Nach dem Essen helfe ich einer 7 Jährigen beim Englisch. Richtige Betonungen ist angesagt. Dieser kleine „Knopf“ rührt mich. Wie sie sich anstrengt die a, e, i, o und u’s auszusprechen und mich immer mit ihrem ‚’’habe ich es richtig gesagt?’’ – Blick anschaut. Dies ergreift mich sehr. Wir lernen, bis Ihr fast die Augen zufallen. Ähnlich ergeht es mir, nachdem ich diese Zeilen verfasst habe. Ich plumse ins Bett und schlummere ein.

 

Ich teile die Mangos so gut es geht

Um 07:30 meldet sich der Wecker. Ich ziehe mich an und gehe zu Elisabeth um das Morgenmahl einzunehmen. Danach laufe ich direkt zur Baustelle. Die überschüssigen Mangos, Bananen und Avogados vom Frühstück nehme ich gleich als Begrüssungs-Snack für alle mit.

Wir arbeiten am Fundament weiter. Die Handwerker haben auch schon bemerkt, dass ich der Unerfahrenste und „ Schwächste im Umzug“ bin und teilen mir eine leichtere Arbeit zu. Ich kann den Zement mit Sand mischen. Dieser dient zum Befestigen und Auffüllen zwischen den Steinen. Auch kann ich Ihn gerade an die richtige Stelle schmieren. Den Morgen hindurch komme ich immer mehr ins Gespräch mit den Männer. Ich arbeite mit drei Johns, zwei Gabriels und einem Oda zusammen. Die Steinhauer sind entfernt von uns am arbeiten und so komme ich nicht ins Gespräch mit Ihnen.

So gegen 10 Uhr bringt mir eine Lehrerin zwei Mangos, die sie auf dem Markt gekauft hat als Geste des Dankes vorbei.

Ich teile die Mangos so gut es geht auf. Sie sind köstlich! Wir arbeiten weiter.

Vor dem Mittag bringt Georg (Sozialarbeiter,Projektleiter und Fahrer vom Heim) Feuerholz für die Küche zur Schule. Ich ergreiffe die Chance um vor dem Ugali (Maisstock) zu flüchten und fahre mit ihm ins Heim, um dort zu essen.

Gesättigt mache ich mich wieder auf den Weg zur Schule.

Am Nachmittag beenden wir die Fundament-Mauern. In verschiedenen Gesprächen bin ich den Arbeiter auf lustige Art näher gekommen. .Die meisten Fragen betreffen die Schweiz.

Wir beenden alle gemeinsam die Arbeit und laufen in Richtung Dorf.

Im Heim angekommen dusche ich mich und gehe ins nächste Family Home essen. Wir haben es besonders lustig. Meist machen wir uns über mich und auch über dies und jenes lustig. Das ist witzig. Keine Hausaufgaben heute. Somit gehe ich bald auch finde schnell Ruhe.

 

Am nächsten Tag bringe ich wieder Früchte zur Arbeit. Die Gesellen lachen glücklich und sagen, dass dies eine sehr schöne Zeit mit mir sei. So könnten sie täglich Früchte naschen.

Noch vor dem Mittag kommt der Direktor der Schule. Er habe ein Geschenk für mich. Ihm sei zu Ohren gedrungen, dass ich eine Frucht speziell gerne hätte. So werde ich Besitzer eines Plastiksackes voll- was denkt ihr-ja genau-Mangos, mhhh. Wir essen soeben ein paar. Heute besteht die Arbeit darin, das Fundamentbecken mit Steinen und Schutt zu füllen.

Diese Beschäftigung – sich bücken und Steine werfen – bringt ordentliche was zu reden. Die drei Johns habe ich in John, Big John(wegen seiner Grösse) und Mister oder Master John(ich switche zeitweilen, zudem ist er der Chef ) umgetauft und die Gabriels in Gabriel und G! oder Gebrail (arabische Version von Gabriel). Ich erfahre Einiges von ihnen und ihrem Leben und kann mir Anderes ausmalen. Alle leben ein einfaches Leben. Die meisten haben Kinder und konnten sich keine anständige Hochzeit in der Kirche leisten. Das hält sie aber nicht davon ab gutgelaunt weiter zu arbeiten. Am Ende des Arbeitstages verabschiede ich mich für das Wochenende. Sie werden auch morgen arbeiten. Eine 6 -Tage -Woche ist in Kenia Standard.

(Unter den Steinen befinden sich giftige Frösche und Skorpione.)

Der Plan ist 14Falls und Nairobi National Park.

Zum Abendessen ist das 4te von 10 Family Homes an der Reihe. Heute bekomme ich wieder ein paar neue Frisuren und gute Gesellschaft für begrenzten Zeitraum. Denn heute dürfen die Kinder TV schauen. Sobald sie die Erlaubnis erhalten sind alle Family Homes leer und das Gemeinschaftshaus, wo der TV steht, ist hingegen voll. Sie sehen irgendwelche Kenianischen Serien. Ich setze mich.

Nach einem kurzen Moment verabschiede ich mich. Bald beschliesse ich den Tag.

Um morgen wieder zu arbeiten..

Mein Rücken fühlt sich an als wäre eine Walze darüber gefahren. Doch stehe ich auf, ziehe mich an und gehe zu Elisabeth frühstücken. Elisabeth sagt mir, es gäbe heute nichts zu tun. Sie muss heute etwas früher gehen wegen einem Meeting.

Doch auf der Strasse zurück zum Heim treffe ich ’’Mama Touni’’. Sie erzählt, dass der 10’000 Liter -Tank von den Dorfbewohnern gefüllt werden muss. Ich entscheide mich kurzerhand dort hin zu gehen um die Gemeinde zu unterstützen. Jede Familie, die ein Kind in der Schule hat, muss 10×20 Liter Wasser in Kanistern vom nahe gelegenen Fluss hoch tragen.

 

Ich entscheide mich, für die Familie Brantschen auch 200 Liter beizusteuern. Zuerst nehme ich zwei Kanister auf einmal, doch dies halte ich nach dem zweiten Durchgang nicht bis zum Schluss durch. Also ein Kanister nach dem anderen. Beim Schleppen lerne ich verschiedene Dorfbewohner kennen, vor allem junge. Mit einem freunde ich mich an. Er ist nach Papst Pius benannt.

Pius und ich sind unter den Letzten, welche die 10 Liter heraufbringen.

Wir unterhalten uns. Er wünscht sich, nach Europa zu kommen. Und bittet um meine Kontaktdaten und Hilfe, falls er es bis in die Schweiz schafft.

Ich versuche ihm klar zu machen, was ihn erwarten würde und dass er mit seiner spärlichen Ausbildung leider sehr geringe Chancen auf einen Job habe. Doch er sieht alles positiv. Ich gebe ihm meine Mail-Adresse. Ich weiss aber, dass ich ihm leider nicht wirklich helfen kann.

Danach gehe ich nach Hause und helfe Gerald, dem Manager von „Next Step“ eine Berufsbeschreibung auf Word zu machen. Als nächstes gehe ich in ein Family Home essen. Doch die Kinder reden leider nur auf Suaheli und antworten nur spärlich auf meine Fragen. Nur ein Mädchen scheint sich für mich zu interessieren und strahlt mich immer wieder an. Nach dem Essen müssen sie Hausaufgaben machen. Leider benötigt niemand meine Hilfe. Also gehe ich und schlafe auch schnell ein.

Am nächsten Morgen fühle ich meinen Rücken noch mehr. Dazu kommen nun noch Schmerzen an Oberarmen und Schultern. Irgendwie ein blödes Gefühl. Doch scheiss drauf. Essen und los zur Baustelle.

Dort erwarten mich 6 Maurer und 2 Steinhauer. Alle ausser zwei sind kleiner und sicher 10-20 kg leichter als ich. Wir fangen an. Balast, Steine und Beton mischen, natürlich alles auf dem Boden und mit den Schaufeln. Damit gleichen wir das Niveau in treppenförmiger Steigerung aus.

Danach kommen die Fundamentsteine, „Fuck“ sind die schwer. Diese dünnen Männer können diese ohne erhebliche Probleme hoch hieven und tragen. Ich habe extreme Mühe und ’’breche’’ mir fast den Rücken.

Ich stosse ein paar Steine hoch und überlasse sie dann den erfahrenen Männern. Lieber mische ich 50 kg Zement mit etwa 200kg Sand. Schon vor dem Mittag bin ich total erschöpft. Ich habe schon 2 Liter Wasser getrunken. Die anderen trinken etwa je 2 Becher. Zudem haben sie keine Pause gemacht. Wie geht das.? Ich brauche nun eine und setze mich hin. Ich esse meine mitgebrachte Mango und Banane. Nach ca. 10min bin ich wieder einigermassen zu Kräften gekommen und wir machen weiter mit Zement mischen, Steine schleppen und platzieren.

Am Mittag bringen uns die Kinder das Essen. ’’Uguli’’ (ein Maisstock) und Bohnen. Wir machen ca. 1 Stunde Pause. Ich schlafe, sie wecken mich und weiter wie bislang.

Vor 5 Uhr beenden wir unsere Aktivitäten. Meine Hände sind mit Blasen und Schnitten übersäht. Ich bin froh nach hause zu gehen. Die Männer empfehlen mir eine Salbe für die Hände. Einige Kinder holen diese schnell im Dorf.

Die Kinder haben bei der Schule auf mich gewartet und geben mir die Hand. Sie stellen mir Fragen. Sie wollen, dass ich singe, fragen mich über die Schweiz, betouchen meine Blasen, öffnen mir das Haar und lachen und strahlen. So viel positive Energie kommt von ihnen, dass ich meine physischen ’’Leiden’’ vergesse.

Im Heim angekommen holen wir unsere Kleidung und waschen sie mit den Kindern. Heute bin ich im Family Home ’’Eagel’’ eingeladen und die Kinder begrüssen mich warm. Es sind 5 Mädchen von 6-13 Jahren und einem Jungen von 8 Jahren. Wir beten, das heisst singen, klatschen und bewegen. Nach dem guten Essen machen sich die Kinder an die Hausaufgaben.

Diesmal kann ich helfen und wie. Gleich bei 3 Mädchen in 3 verschiedenen Fächern. Während ich am erklären bin flechten mir die zwei anderen Mädchen die Haare. Ahh was für eine Wohltat! Ich kehre erst spät heim. Nach mehreren verschiedenen Haarstyles gehe ich schliesslich doch wieder mit offenen Haaren zurück um zu schlafen und um morgen wieder zu arbeiten.

 

 

Ein schöner, anstrengender Tag endet

Die ganze Nacht hindurch bestreitet der Hahn viele spontane Weckaktionen. Gegen 6 Uhr regt sich dann immer mehr Leben im Heim und es wird um uns herum lauter. Bald kann ich nicht mehr schlafen und stehe auf. Ich beende und teile den gestrigen Beitrag: ,,Jetzt geht es los’’. Wir machen Tee und vor 8 Uhr essen wir ’’z’Morgä’’ bei Elisabeth.

Noch vor 9 Uhr sind wir wieder auf dem Gelände. Dort werden alle Mitarbeiter vorgestellt. Durch die Projekt-Manager bekommen wir eine separate Einführung in ihre grossen und umfassenden Projekte. Das erste Projekt nennt sich’’ Next step’’. Hier geht es für die Kinder um die Zeit nach den in Kenia üblichen 8 Jahren Primar- und Sekundarschule, vergleichbar mit unseren Lehrjahren. Es gibt 5 Richtungen, für welche man sich entscheiden kann: Beauty, Service, Koch, Schreiner- Holzarbeit und Metallbau-Arbeit. Ich stelle so viele Fragen, dass mich Elisabeth nach einer Weile unterbricht und auffordert, zur Schule zu gehen um den Spatenstich für das Fundament zu setzen. Denn alle dort warten schon.

Bei der Schule angekommen setzen wir uns zuerst mit dem Direktor zusammen. Danach gehen wir zum Bauplatz. Dort sind Eltern, Arbeiter, Leute vom Heim und Kinder, insgesamt über 200 Menschen. Und ich muss nun in die Mitte stehen!? phuuu! Man erklärt, wer ich bin und dass ich das Geld zusammen gebracht habe. Und dann übergeben sie mir das Wort. Ich, sonst so redsam, weiss nicht wo und wie ich anfangen und was ich sagen soll und halte es kurz und bündig: ,,Ich bin hier, um mit euch das Klassenzimmer aufzubauen und freue mich, mit euch zu arbeiten.“ So nehme ich die Schaufel und fange an zu graben. Einer nach dem anderen folgt mir. Wir graben und pickeln in der sengenden Hitze der kenianischen Sonne. Ich überanstrenge mich und falle fast in Ohnmacht. Doch wer Respekt will, muss sich diesen verdienen, also weiter! Ein 10’000 Liter-Tank wird zum Gelände gerollt und jede Familie muss pro Kind in der Schule 3 x 20 Liter vom nahegelegenen Fluss holen. Also Eimer in die Hand und los. Beim Bau der Schule müssen die Eltern ebenfalls mithelfen. Nur so ist das Schulhaus zu realisieren. Ein Lastwagen kommt zweimal angefahren, mit grossen Steinen für das Fundament und mit kleineren für die Mauern. Gegen 13 Uhr ist es vorläufig vorbei und wir laufen zum Heim zurück. Die Leute reden davon, dass sie noch nie einen Mann so viel haben arbeiten sehen wie mich und sind sehr glücklich.

Der Appetit ist gross. Ich widme mich dem Essen.

Elisabeth zeigt uns das ganze Areal. Sie haben Kühe. Aus ihrem Dung wird Gas gewonnen, mit welchem sie kochen. Es reicht aber nicht ganz. Sie bräuchten noch etwa 12 Kühe mehr. Sie haben Solarpanels auf dem Dach und zwei kleine Windmühlen. Diese sind an Batterien angehängt. So reicht es fast immer, den Stromverbrauch der ganzen Anlage zu produzieren.

Sie zeigt uns die frisch renovierten Unterkünfte der Kinder. Neu sind diese in kleine Wohnungen umgestaltet worden. 6 Tage die Woche schläft dort eine Mama, die sich um max. 8 Kinder fürsorglich kümmert. Dies ist wirklich eine super Idee. Es hat zudem eine offene Küche mit Wohnzimmer, 3 Räume inklusive Toilette und Dusche, wo bis zu 6 (meistens aber 2-4) Kinder übernachten. Das Zimmer der Mama kommt im Zentrum der Wohnung zu liegen. Wirklich Hammer!

Auch schauen wir uns den riesigen Garten an! Hier sind sie nahezu Selbstversorger. So haben sie sogar in den letzten 3 Jahren so viel Gemüse und Früchte angebaut und konnten mit diesem auf den Markt gehen. Doch dies rentiert anscheinend nicht. Deshalb haben sie dieses Projekt wieder gestoppt.

Ich unterhalte mich noch mit der Angestellten der Buchhaltung und bekomme Einblick in alle Zahlen und finanziellen Tragpfeiler des Projektes. In den nächsten 5 Jahren werden die Amerikaner aus Altersgründen aussteigen und ein Grossteil der anfallenden Kosten müssen durch eine neue Organisation ersetzt werden. Wer? und Wie ? Darüber zerbricht sich Elisabeth schon seit längerem den Kopf.

Die Kinder kehren von der Schule zurück. Wir waschen mit ihnen gemeinsam die Kleider und sie lachen über meine Pfuscherei beim Waschen. Doch dies ist genau das, was es braucht, um zu den meisten durchzudringen und plötzlich regnet es nur so von Fragen und Interesse.

Ich verspreche ihnen, bei jeder ihrer Wohnungen einmal zum Abendessen vorbei zu kommen. Dann werden sie zum Kochen gerufen. Wir machen uns auch auf den Weg zu Elisabeth und den Volunteers.

Ein schöner, anstrengender Tag endet.